30.11.2020

Recruiting Trends 2020: Rückblick auf ein besonderes Jahr

Janina Olbrich-Au Yeung

Human Resources Representative

Die Covid-19-Pandemie hat uns weiterhin fest im Griff und beeinflusst nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch den Büroalltag. Dennoch kann man etwas Positives in dieser - für uns neuen - Situation erkennen: 2020 wird nebst Corona auch aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung in unserem Gedächtnis bleiben. Sei es das Thema Homeoffice, das nun rasant in vielen Unternehmen eingeführt wurde, oder die Erprobung von Online- Messen. Auf die Recruiting Trends hatte die Entwicklung der vergangenen Monate jedenfalls einen starken Impact.

[#anchor1]Recruiting-Trends im Zuge von Covid-19[#anchor1]

Covid zwang die Menschen rasant umzudenken, Alternativen zu finden, Remote Work zu ermöglichen – was vielen Bereichen auch gelang. Geplante Messeveranstaltungen konnten nicht stattfinden, dafür wurden digitale Events im Eiltempo auf die Beine gestellt. Von persönlichen Vorstellungsgesprächen musste - im wahrsten Sinne des Wortes - Abstand genommen werden, stattdessen wurden Videointerviews durchgeführt. Bewerbungseingänge brachen teilweise ein, da die eigentlich wechselmotivierten Kandidaten in der nun unsicheren Zeit lieber beim aktuellen Arbeitgeber bleiben wollten. Dies hatte zur Folge, dass Personaler verstärkt Active Sourcing und Social Media Recruiting betreiben mussten. Im Homeoffice machte sich zeitweilig bemerkbar, wie unterschiedlich die Internet-Leistungen sind: Verbindungsfehler, Lags, kurzeitige Totalausfälle erschwerten teilweise die Kommunikation oder zogen Konferenzen unnötig in die Länge. Dennoch wurde viel mehr kommuniziert als vorher, z. B. in regelmäßigeren virtuellen Meetings mit den Arbeitskollegen.


[#anchor2]Digitale Jobmessen dominierten 2020[#anchor2]

Vor allem auch die Messen waren stark betroffen, von den Auswirkungen der Pandemie: Viele geplante Rekrutierungsveranstaltungen wurden in diesem Jahr aufgrund der Regelungen des Bundes abgesagt. Hochschulveranstaltungen wie die beliebte Bonding, Karrieretage oder Jobmessen. Für Personaler also die ideale Gelegenheit, eine andere Form der Rekrutierung zu testen: nämlich auf diversen Online-Messen. Diese unterschieden sich signifikant in der Darstellung, dem Ablauf und der genutzten Software. Als Messebesucher "scrollte" man sich durch das Foyer und dann durch die einzelnen Messestände. Alles wurde virtuell abgebildet und Inhalte, die man anklicken konnte, wurden als pulsierende Buttons dargestellt. Man konnte sogar einen Avatar von sich selbst kreieren und einfügen lassen, welcher dann wie ein Pappaufsteller in der virtuellen Umgebung platziert wurde. Wie man es von Messen gewohnt ist, waren die Stände gefüllt mit Infomaterialien: Das Sortiment aus Flyern und Unternehmensbroschüren wurde ergänzt durch Imagevideos und Links, z. B. zu aktuellen Stellenanzeigen etc. - nur die Giveaways fielen weg.

Jeder Besucher hatte eine eigene Identität, hinterlegt mit einer Email-Adresse. Via Chatfunktion war es ein Leichtes, mit anderen Besuchern am Stand Kontakt aufzunehmen. Bewerbungsunterlagen konnten direkt als Anhang über das Chatfenster "eingereicht" werden. Somit wurde der Talentpool in Echtzeit um einiges erweitert, ohne auf eine lange Messenachbereitung zu warten. Natürlich konnte man auch unter uns Personalern fleißig Networking betreiben: einfach den Stand eines anderen Unternehmens anklicken und via Chat "Hallo" sagen.


Recruiting-Trends der Online-Messen im Überblick

Folgende Neuheiten waren auf allen Online-Messen zu beobachten:

  • Während der Messe konnten in einem virtuellen Raum Vorlesungen, Interviews und Workshops als Livestream (nach einem festen Zeitplan) oder als aufgezeichnetes Youtube-Video (jederzeit flexibel) angeschaut werden.
  • Das Thema Virtual Reality bekam viel Aufmerksamkeit: Virtuelle Messerundgänge und Einblicke in Arbeitsplätze aus der Ich-Perspektive gaben spannende Einblicke und vermittelten das Gefühl, live dabei zu sein.
  • Der Kontakt zu Interessenten oder anderen Ausstellern war unkompliziert via Live-Chat möglich.
  • Über die Chatfunktion konnten Bewerber ihre Unterlagen schnell und einfach als PDF verschicken.


[#anchor3]Ausblick Recruiting-Trends 2021[#anchor3]

Das Jahr 2020 war herausfordernd für uns alle, demnach blicken wir gespannt auf 2021. Wie es mit Präsenzveranstaltungen weitergeht, wird sich zeigen, aber eine Mischung hin zu Hybriden Jobmessen wird ein großes Thema sein.

Rekrutierungsprozesse werden grüner! Green Recruiting bedeutet: weniger Anreisewege durch die Reduzierung persönlicher Vorstellungsgespräche, da diese vermehrt durch Videochats ersetzt werden. Durch das gesteigerte Umweltbewusstsein der jüngeren Generationen und aufgrund der zunehmend schlankeren, digitalen Prozesse werden Bewerber künftig mehr Flexibilität von Personalern erwarten: Videointerviews werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nachhaltig etablieren. Der Bewerber erspart sich nebst Anreiseweg den Stress und die Schweißausbrüche, falls auf dem Weg zum Jobinterview die Bahn ausfällt oder man im Stau stecken bleibt. Außerdem werden Bewerbungsunterlagen weiterhin primär digital verschickt. Dies spart nicht nur Kosten für die Bewerber, sondern auch jede Menge Papier und schont somit die Regenwälder.

Drei Monate auf ein Feedback zum Bewerbungsprozess warten? Dies bleibt natürlich weiterhin ein absolutes No-Go. Schnelle Reaktionszeiten sind und bleiben ein Muss. Auch für Personaler ist und bleibt die Time-to-Hire die wichtigste Kennzahl im Recruiting: denn der Kampf um die Top-Kandidaten wird nicht abreißen. Daher ist der "Post & Pray"-Gedanke nicht im Sinne der modernen Personalbeschaffung. Active Sourcing und der Beziehungsaufbau zu Talenten sind zukünftig das A und O!

Mobile-Recruiting wird auch im Jahr 2021 ein weiteres großes Thema sein. Karriereseiten, die auf mobilen Endgeräten nicht richtig dargestellt werden und keine Online-Bewerbungsfunktion beinhalten, sind längst nicht mehr zeitgemäß: Mittlerweile präferiert jeder dritte Kandidat das Hochladen des CVs über die Karriereseite des Unternehmens oder via LinkedIn gegenüber einer traditionellen Bewerbung per Email.

Mein abschließendes Fazit zum Thema Trends: Wenn uns dieses Jahr eins gelehrt hat, dann, dass man nichts wirklich voraussagen kann.

Janina Olbrich-Au Yeung

Janina Olbrich ist seit 10 Jahren in der Rekrutierung von Fachpersonal im Bereich Engineering tätig und betreut aktuell den gesamten Personalprozess - vom Bewerbermanagement bis zur Einstellung und darüber hinaus. Sie ist begeistert vom umfangreichen HR-Spektrum und schätzt an ihrer Arbeit vor allem den Kontakt zu spannenden Talenten.

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