E-Recruitment aus Bewerbersicht

Die Bewerberwahrnehmung von Einstellungs- und Auswahlprozessen ist zu einer wichtigen Zielgröße im Online Recruitment gereift. Dafür gibt es gute Gründe: Die Größenverhältnisse am Arbeitsmarkt haben sich gedreht. Bewerber sind nicht nur in Mangelbereichen wählerischer geworden - schlecht gestaltete Prozesse können so potentielle Arbeitgeber für Bewerber disqualifizieren.

Außerdem teilen die Talente von Morgen ihre Erfahrungen heute im Social Web. Negative Erfahrungsberichte sind hier Gift für die Employer Brand. Zudem sind Kandidaten, die negative Erfahrungen gemacht haben, weniger bereit, Produkte eines Unternehmens zu kaufen. Daher ist die Prozessgestaltung und Technologieauswahl im E-Recruitment sehr wichtig. Doch worauf genau kommt es an?

Prozesse und Technologie: Beides muss stimmen

Prozess:

Nach dem bekannten amerikanischen Management Professor Stephen Gilliland, der einige der wichtigsten Beiträge zur Bewerberwahrnehmung verfasst hat, gibt es zunächst eine Reihe von grundlegenden Prozessregeln, die für alle Recruitment Prozesse gelten – ganz unabhängig davon, ob E-Recruitment-Tools zum Einsatz kommen oder nicht. Diese sind:

  • Stellenbezug: Auf allen Prozessstufen sollte ein Stellenbezug erkennbar sein. Dies gilt für Interviews ebenso wie für die Informationen, die ein Bewerber schon bei der Online-Bewerbung angeben muss. Auch sind auf der Karriere-Seite realistische Tätigkeitsbeschreibungen, die Mehrwert bieten, oft effektiver als plumpe Anbiederung oder Lobhymnen auf das eigene Unternehmen.
  • Qualifikation will gesehen werden: Bewerber möchten zeigen, was sie können und wer sie sind. Daher sollten eingesetzte E-Recruiting-Tools und Auswahlverfahren Raum für Individualität lassen und eine angemesse Möglichkeit bieten, die eigenen Fähigkeiten auch demonstrieren zu können.
  • Nachvollziehbarkeit bezieht sich darauf, dass Kandidaten den Stand der eigenen Bewerbung nachverfolgen und Auswahlentscheidungen nachvollziehen können. Dies nimmt auch die Personalverantwortlichen in die Pflicht, Feedback zu geben.
  • Konsistenz bedeutet, dass alle Bewerber den gleichen Prozess durchlaufen und nicht bei Einigen beispielsweise eine Verfahrensstufe entfällt. Spricht sich so etwas herum, kommen schnell Zweifel an der Fairness auf.
  • Transparente Information: Bereits früh im Prozess benötigen Stellensuchende alle nötigen Informationen damit der Recruitment Prozess berechenbar ist. Hierzu gehören auch Informationen über den Ablauf einzelner Prozessschritte.
  • Ehrlichkeit und persönliche Kommunikation sind wichtig, da sich kein Bewerber als Bittsteller begreifen will, sondern zu Recht Kommunikation auf Augenhöhe gefordert wird. Der Kundenservice kann hier Vorbild sein.

Technologie:
Was im Online Recruitment wichtig ist

Werden neue E-Recruiting-Tools eingesetzt, sind für die Bewerberwahrnehmung noch zwei weitere Faktoren wichtig. Diese sind eine hohe wahrgenommene Nutzerfreundlichkeit – heute ein absolutes Muss für jedes E-Recruitment-Tool, und zum anderen der wahrgenommene Nutzen der eingesetzten HR Software. Letzteres bezieht sich insbesondere auf praktische Aspekte, wie die Möglichkeit für Bewerber, sich schnell auf mehrere Stellen bewerben zu können oder auch darauf, einen ersten Einblick vom zukünftigen Team gewinnen zu können. Beides bietet Bewerbern einen erlebbaren Nutzen.

Es gibt natürlich noch weitere Einflussgrößen, die kurzfristig nur geringfügig beeinflusst werden können, wie die allgemeine Unternehmensreputation oder manche Branchenspezifika. Wenn die Grundregeln im Prozess aber beachtet werden, die eingesetzten Online Recruitment Tools nutzerfreundlich sind und erkennbaren Mehrwert bringen, dann steht einer guten Candidate Experience nichts mehr im Wege.



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